Presse

Die Rheinpfalz - Gesamtkunstwerk Mannheim

12.09.2011
Gesamtkunstwerk_Mannheim
Die Rheinpfalz Ausgabe Nr: 212 09/2012

Gesamtkunstwerk Mannheim

Ein gigantisches Spektakel: Die Uraufführung von "autosymphonic'' auf dem Friedrichsplatz VON FRANK POMMER

"Gigantisch", "einzigartig", "spektakulär" - kein Superlativ schien im Vorfeld gut genug, um zu beschreiben, was sich mit .,autosymphonic", jener Großveranstaltung auf dem Mannheimer Friedrichsplatz zum Abschluss des Autojahres, ereignen wird. Doch als am Samstagabend nach mehr als zwei Stunden die letzten Töne der Komposition des zypriotischen Komponisten Marios joannou Elia verklungen waren, war klar: Die Marketingmaschinerie war zwar perfekt geschmiert (um im Thema zu bleiben). Sie hatte jedoch nicht zu viel versprochen.

Geräusche sind nicht erst im 20. Jahrhundert feste Bestandteile klassischer Musik. Auch gehupt wurde schon vor Elia. etwa in Puccinis Operneinakter "II Tabarro". ·Das hier jedoch hat eine andere Dimension. 80 Autos, vom Trabi und der lsetta bis zu Maserati, Parsehe oder auch einem kraftstrotzenden LKW, sind kreisförmig um die Mannheimer Jugendstilanlage angeordnet. Ein Maschinenorchester- nie gesehener Dimensionen. Sorgfältig ausgewählt in einem Autocasting. 

Die Nachfolger des vor 125 Jahren von dem Mannheimer Carl Benz erfundenen Automobils reden ihre ganz eigene Sprache. Das Vokabular reicht weit über das schnöde Hupen hinaus. Sie knarren und knarzen, ticken und tacken, wenn Türen geöffnet, Fensterwischer und Blinker betätigt werden. Bedient, gottlob dann doch, vom Menschen. Keine totalemanzipierten Roboter. Eher eine Art bester Freund des Menschen auf vier Rädern. Bis zu vier Jugendliche, ausgebildet, geschult, vorbereitet an der Popakademie, stehen an einem Fahrzeug. Pflichtbewusst geht der Blick auf den Notenständer. Zur auskomponierten Geräuschkulisse gesellt sich die menschliche Stimme. Kinder vor allem, von der Staatsoper Stuttgart,intonieren das Erich-Kästner-Gedicht "Im Auto übers Land". Unschuldiger Gesang hier, aufheulende Motoren dort. Nicht gegeneinander, sondern miteinander. Wie die Stimmen des SWR Vokalensembles aus Stuttgart. Und, natürlich, die Söhne Mannheims. Die hatten den Abend mit einem einstündigen Auftritt eröffnet. Xavier Naidoo durfte versichern: "Mein erstes Wort war Auto." Elias Partitur liegt in den Händen von johannes Harneit am Pult des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden/Freiburg. Es ist eine gleichermaßen hochkomplexe wie klar strukturierte Partitur. Natürlich im 4/4-Takt. Schließlich ging es Carl Benz um einen Viertakt-Motor. Stark rhythmische Passagen wechseln sich mit großen sinfonischen Ausbrüchen, emphatischen Triumphen. ab. Steigerungswellen werden 'aufeinander getürmt, steuern auf ein grandioses Finale zu.

Erzählt wird eine Schöpfungsgeschichte: die Genesis des Automobils: In fünf Akten, Zwischenspielen, Ouvertüre und Finale. Am Anfang steht die Vision des genialen Erfinders Carl Benz. Am Ende: deren Überwindung? Ablösung? Immerhin der Ausblick, zumindest die Hoffnung auf eine nächste Vision: Das Auto der Zukunft, das anders aussehen muss.

Es ist ein Weg durch die Elemente. Erde, Wasser, Feuer, Luft. Hinzu kommt: Metall. Wir können das sehend hören. Hörend sehen. Der ganze Friedrichsplatz eine riesige Leinwand. Die Häuser, der Wasserturm, alles dient als Projektionsfläche von Bildern, die sich der Mannheimer Fotograf Horst Hamann ausgedacht hat. Laserstrahlen bilden Lichtteppiche über den Köpfen der rund 20.000 Besucher. Im Finale scheint der Wasserturm sich in Bewegung zu setzen dank modernster 3-D-Technik. Immer wieder zu sehen: da Vincis Mensch. Dazu ineinandergreifende Zahnräder, Autoströme, vorbeihastende Passanten. Die Komposition wird zum Gesamtkunstwerk. Auch wenn der Wagnersehe Begriff inflationär gehandhabt wird, hier hat er seine Berechtigung.

Denn Musik und Totalbebilderung sind ja nur zwei von drei Komponenten. Die dritte: der Ort. Der Jugendstil-Konzertsaal. Nichts ist gegen die Umgebung inszeniert oder komponiert. Alles fügt sich ein. Bis hinauf zu den Passanten, die in den oberen Etagen der Häuser am Ring die Zaungäste abgeben. Und man nähert sich der Botschaft des Werkes: Technik, als Produkt menschlichen Geistes, fügt sich in eine wenn auch städtische, kultivierte Umwelt. Nicht als Konfrontation, sondern als Harmonisierung. Ein Ausblick ebenso wie ein Auftrag. Auch an jene Köpfe, die in der Nachfolge von Carl Benz über das Auto der Zukunft nachdenken müssen.

Das Ergebnis: eine Art Gesamtkunstwerk Mannheim. Man wird die Kosten kritisieren. Die Angaben schwanken zwischen 1,5 Millionen und 2,2 Millionen Euro. Das Ereignis als solches bleibt singulär. Überwältigend. Ein perfektes Bewerbungsschreiben für Mannheim. Sehnsucht, dein Name ist Europäische Kulturhauptstadt 2020.

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